Faber

Faber, mit bürgerlichem Namen Julian Pollina, ist ein Schweizer Musiker, der mit seinen provokanten Songtexten einen Gegenentwurf zu dem üblichen Wohlfühlpop zaubert. Das gefällt nicht jedem, weshalb der Musiker immer wieder auf Kritik stößt.

Wer nicht schwimmen kann der taucht

Faber ist ein junger Musiker, der in seinen Liedern kein Blatt vor den Mund nimmt. Seine Texte sind polarisierend und für manch einen provokant. Ich persönlich wurde auf den Musiker das erste Mal im Jahr 2016 aufmerksam, als er den gesellschaftskritischen Song “Wer nicht schwimmen kann der taucht” veröffentlichte. Faber nimmt hier die Position einer Person ein, die sich nach einer Zeit zurücksehnt, in der noch alles besser war. Eine Zeit, in der man sich im eigenen Land noch heimisch fühlen konnte und nicht täglich Sorge tragen musste, bestohlen zu werden. Der Alltag des Protagonisten, der ganz nach Klischee im Plattenbau mit Schäferhund lebt, ist von einer großen Trostlosigkeit und Unzufriedenheit gezeichnet. Aus dieser Perspektive entsteht nicht nur eine kritische, sondern ebenso eine fies-berechtigte und ironische Auseinandersetzung mit der Wählergemeinde rechtspopulistischer Parteien. Wie man es eben hasst und kennt:”Ich bin bestimmt kein Rassist und gegen Ausländer habe ich nichts, ABER […]”.

Das Boot ist voll

Tja, und was macht Faber etwa drei Jahre später? Der Musiker greift erneut dieses große ABER auf. Der Song “Das Boot ist voll” sorgt für Furore und wird so scharf kritisiert, dass der Musiker schließlich entscheidet, den Songtext zu ändern. Das Ergebnis: Der Song ist nach wie vor gut! Zugegeben, die Kritik an der ursprünglichen Version war nicht ganz unberechtigt. Die Zeilen „Geh auf die Knie, wenn ich dir meinen Schwanz zeig / Nimm ihn in den Volksmund, blond, blöd, blau und rein /
Besorgter Bürger, ja ich besorg’s dir auch gleich“ sind sicherlich nicht ohne und für die Gesellschaftskritik, die der Musiker hier verübt, meines Erachtens auch nicht notwendig.

Der deutsche Autor und Musikjournalist Linus Volkmann kritisiert diese Zeilen in einem Video folgendermaßen: „Vergewaltigungsfantasien gegen Rechts? Die moralische Überlegenheit machts offensichtlich möglich. Aber sorry Julian, wie du eigentlich heißt, da bin ich draußen. Wenn im Netz rechte Trolle unliebsamen Frauen wünschen, sie sollten von Flüchtlingshorden vergewaltigt werden, will ich kotzen. Und ich sehe es als grundlegenden Widerspruch an, solche Übergriffe für die eigene Position zu legitimeren – ja, zu zelebrieren.” Falls ihr den Song noch nicht kennt und euch ein Bild machen wollte, hört doch einfach mal rein. Ich persönlich teile die Ansicht Volkmanns nicht, fand sein Statement jedoch durchaus interessant und in Teilen auch nachvollziehbar.

Wem du’s heute kannst besorgen

Spricht man über den Musiker, wird an manch einer Stelle auch von Schamlosigkeit gesprochen. Ich halte Faber nicht für schamlos, sondern für reflektiert, scheiße ehrlich und schlussendlich für sehr talentiert. Ein Musiker, der polarisiert und Themen anspricht, die von hoher Relevanz sind. Mit seiner Musik wendet er sich gegen die allbekannte kuschelige Popmusikinterpretation und nimmt andere Erzählperspektiven ein, wie beispielsweise die des sexistischen Machos in „Wem du’s heute kannst besorgen”.

Faber ist ein Künstler, der aneckt. Trotz der vielen Kritik feier ich den Musiker. Seine ständigen Perspektivwechsel, die teilweise nicht ganz einfach verständlichen Songtexte, die hochrelevanten und ernsten Themen sowie diese unglaublich gute Stimme machen den Künstler einzigartig und absolut hörenswert.